Interviewserie – Teil 5

Bürger*innenfragen an die Politikerin: Interviewspecial mit der Grünen-Direktkandidatin Barbara Pfeuffer

SCHWEINFURT / KITZINGEN – In diesem Interview-Special geht Barbara Pfeuffer, Direktkandidatin der Grünen für den Wahlkreis Schweinfurt – Kitzingen, auf einige interessante Bürger*innenfragen ein, die diese während der letzten zwei Monate auf den unterschiedlichsten Wegen erreicht haben.

Fast alle Parteien wollen das Kindergeld erhöhen. Wäre es nicht viel besser, das Geld für eine bessere Betreuung der Schulkinder am Nachmittag zu investieren?
R. H., 44 Jahre, Erzieherin

Barbara Pfeuffer: Natürlich müssen wir mehr in gute Hausaufgabenbetreuung oder gut ausgestattete Ganztagsschulen investieren. Das ist der Schlüssel für mehr Bildungsgerechtigkeit. Wir müssen uns aber auch mit dem Thema Kinderarmut auseinandersetzen. Das Kindergeld in seiner aktuellen Form kommt leider gerade den Bedürftigen nur unzureichend zugute. Daran wird auch eine pauschale Erhöhung, wie sie von manchen Parteien gefordert wird, nichts ändern. Wir sollten das Kindergeld statt dessen in einer Kindergrundsicherung aufgehen lassen. Damit werden alle Kinder bedarfsgerecht unterstützt. Auch die Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket können hier einfließen. Das macht es unbürokratischer und hilft dort, wo Hilfe tatsächlich gebraucht wird.

Wie stellen Sie sich die Schule der Zukunft vor?
Jana, 16 Jahre, Schülerin

Barbara Pfeuffer: Die Schule der Zukunft sollte vor allem Chancen vergeben. Ich möchte, dass wir alle Kinder und Jugendlichen bestmöglich fördern. Das muss für mich im Mittelpunkt stehen. In unseren Schulen werden Schüler*innen vor allem nach Leistung sortiert. Es geht dabei aber immer nur um Leistungen in ganz klar festgelegten Bereichen. Es geht fast ausschließlich um sprachliche Leistungen oder Mathematik. Junge Menschen müssen aber auch Gelegenheiten haben, Erfahrungen in anderen Bereichen zu sammeln. Handwerkliche Fähigkeiten, Musik oder Sport kommen oft zu kurz oder auch gar nicht vor. Schule sollte also vielfältiger werden und dabei individueller fördern.

In den Krankenhäusern fehlen bundesweit 162.000 Beschäftigte, davon allein 70.000 in der Pflege. Konsequenz ist: Die Qualität der Versorgung sinkt, die Arbeitsbelastung ist unerträglich. Menschen müssen sich darauf verlassen können, im Krankenhaus gut und sicher versorgt zu werden. Dafür trägt der Gesetzgeber die Verantwortung. Er muss den Krankenhäusern verbindliche Personalvorgaben machen. Was wollen Sie unternehmen, um die Personalausstattung in den Krankenhäusern zu verbessern?
G. R., 56 Jahre, Krankenschwester

Barbara Pfeuffer: Der Pflegebereich in unseren Krankenhäusern wird seit Jahren kaputtgespart. Das ist für die Patientinnen und Patienten schwer auszuhalten und es ist belastend und überfordernd für die dort arbeitenden Fachkräfte. Wir müssen endlich wieder in eine gute pflegerische Versorgung investieren. Wir brauchen zügig neue Pflegestellen und eine Zweckbindung, damit das dafür vorgesehene Geld auch wirklich in die Pflege fließt. Es muss aber auch gelingen, den Pflegeberuf wieder attraktiver zu machen. Arbeitsüberlastung, Überstunden und schlechte Bezahlung haben zu einem Mangel an Pflegepersonal auf dem Arbeitsmarkt geführt. Wir brauchen eine echte Initiative, um den Pflegebereich neu und attraktiv als Berufsfeld aufzustellen.

Es heißt immer, die Erderwärmung müsse auf unter zwei Grad gedrückt werden. Warum eigentlich?
R. S., 62 Jahre

Barbara Pfeuffer: Steigt die Durchschnittstemperatur weltweit um mehr als zwei Grad, dann hat das zur Folge, dass die Dauerfrostböden in Sibirien und Nordamerika auftauen. Damit würden bisher fest eingeschlossene, klimaschädliche Gase in großen Mengen freigesetzt werden und die globale Erhitzung weiter beschleunigen. Auch der Eispanzer in Grönland würde abschmelzen und als Reflexionsfläche für auftreffende Sonnenstrahlen nicht mehr zur Verfügung stehen. Auch das würde zu einer weiteren Erhitzung der Erde führen. Durch das Abschmelzen von großen Eismassen steigt außerdem der Meeresspiegel an. Ganze Landstriche würden damit von der Landkarte verschwinden. Die Heimat unzähliger Menschen wird im Meer versinken.

Die Grünen wollen, dass es ab 2030 nur noch Elektroautos geben darf. Ich kann mir ein so teueres Auto aber nicht leisten.
Werner, 46

Barbara Pfeuffer: Im Wahlprogramm der Grünen ist vorgesehen, dass es ab 2030 keine Neuzulassungen von Autos mit Verbrennungsmotor mehr geben soll. Das beinhaltet auch, dass bereits zugelassene Fahrzeuge weiter gefahren werden können. Da wird der Übergang sehr fließend stattfinden. Dazu kommt, dass Elektroautos bis zum Jahr 2030 vermutlich sehr viel kostengünstiger hergestellt und vor allem technisch ausgereifter sein werden. Und auch der Gebrauchtwagenmarkt wird bis dahin geeignete Angebote vorhalten können.

Was planen die Grünen in Sachen Klimaschutz und geht Elektromobilität überhaupt nur mit grüner Energie?
Hans, 63 Jahre

Barbara Pfeuffer: Wir wollen die Energiewende endlich zu einem Erfolgsmodell machen. In der Zukunft wird man Geld damit verdienen, dass man das Klima schützt. Deshalb wird es auch gar nicht so schwer sein, das umzusetzen. Wir werden Energie immer mehr dort gewinnen, wo sie direkt verbraucht wird. Und die Energieeffizienz wird immer mehr zunehmen. Als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort dürfen wir hier den Anschluss nicht verpassen und müssen auch in die Forschung investieren.
Elektromobilität funktioniert natürlich mit allen Stromquellen. Wenn wir aber die Lebensgrundlagen von morgen erhalten wollen, dann muss Elektromobilität ausschließlich mit erneuerbarer Energie stattfinden.

Wie wollen die Grünen den Flächenverbrauch eindämmen ohne die Wirtschaft einzubremsen?
Ulrich, 52 Jahre

Barbara Pfeuffer: Neue Flächen zu bebauen ist für ein Unternehmen oder Gewerbe zwar die naheliegenste, oft aber nur die zweitbeste Lösung. So kann es sehr attraktiv sein, eine Industriebrache durch Renovierung und Ausbau einer neuen Verwendung zuzuführen oder einen alten Bauernhof als Gewerbestandort zu nutzen. Gerade alte Bestände haben oft verfügbare Flächen für eine Nachverdichtung. Und da liegt auch eine Chance für den ländlichen Raum. Wenn auf diese Weise auch Arbeitsplätze jenseits der Ballungsräume entstehen, profitieren am Ende alle davon.